Fasten Mythos #4: “Fasten schaltet den Stoffwechsel auf Sparflamme”

Johannes Steinhart
Johannes SteinhartBiomedizin (M.Sc.) & Trainer (DFLV)
Aktualisiert: 22. Juli 2025

Während harter Zeiten in unserer Evolutionsgeschichte war es überlebenswichtig, sich effektiv an Hungerzeiten anpassen zu können. Die Stoffwechselrate während des Fastens zu senken, ermöglichte es uns länger zu überleben. Außerdem erhöhte es die Wahrscheinlichkeit, etwas Essbarem über den Weg zu laufen. Diese Anpassungen geschehen bei sehr langen Zeiten ohne jegliche Nahrungsaufnahme.

Es ist etwas komplett anderes, eine Mahlzeit auszulassen, 24h nichts zu essen oder sogar drei Tage lang nichts zu essen. Die Behauptung, dass dieses Auslassen von Mahlzeiten oder „Kurzzeit Fasten“ den Stoffwechsel auf Sparflamme schalten lässt, ist mit Blick auf die Studien komplett lächerlich.

Bei der Auswertung mehrerer Studien, die ich gelesen habe, gab es die früheste Reaktion des Körpers nach 60 Stunden (-8% Resting Metabolic Rate). Andere Studien zeugen das früheste Absinken der RMR nach 72-96 Stunden (George Cahill hat vieles zu diesem Thema beigetragen).

Paradoxerweise wird die Stoffwechselgeschwindigkeit während des Kurzzeitfastens erhöht. Konkrete Zahlen liefert (Mansell PI, et al, and Zauner C, et al) mit einer Erhöhung der RMR um 3.6-10% nach 36-28 Stunden. Aus evolutionärer Perspektive betrachtet macht das Sinn. Epinephrin und Norepinephrine (Adrenalin/Noradrenalin) schärfen die Sinne und steigern den Antrieb. Dies sind durchaus erwünschte Reaktionen, die uns auf der Suche nach Nahrung helfen bzw. für den Steinzeitmenschen die Jagd erleichterten und so seine Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhten. Ab einem gewissen Punkt – nach mehreren Tagen ohne Nahrung – schlägt dieser anfängliche Vorteil in einen evolutionären Nachteil um und würde mehr schaden als nützen. Anstattdessen ist es jetzt wichtiger seine Energie zu sparen. Das ist der Grund, warum die Stoffwechselgeschwindikeit bis zu 60 Stunden beim Kurzzeitfasten erhöht ist.

Nochmals: Ich habe extreme Beispiele herausgesucht um darzustellen, wie absurd der Mythos „Verlangsamung des Stoffwechsels“ ist – vor allem, wenn man sich vorstellt, dass das exakte Gegenteil der Fall ist und dass sich dieser Mythos dennoch hartnäckig hält.

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